200 Jahre Ludwigstor (Unteres Tor)

       
 

Anfang des 19. Jahrhunderts begann man in Straubing mit dem Abbruch der spätmittelalterlichen Mauern und Tore. Das Untere Tor wurde hierbei durch ein neues Bauwerk in frühklassizistischem Stil, entworfen vom königlichen Bauzeichner Max Popp, ersetzt: Es entstand ein Obeliskentor mit einer breiten Straßenöffnung und zwei Fußgängerdurchlässen sowie zwei nach außen gestellten, flankierenden Gebäuden für Torwächter und Wachmannschaft. Popp hatte mehrere Strömungen in der damaligen Architektur aufgenommen: Die Wiederentdeckung und Nachahmung ägyptischer Tempelbaukunst finden sich in den beiden mächtigen Pylonpfeilern der Torflanken sowie in der kubischen Gestaltung der Torbauten. Die zentralen Elemente des Torkomplexes bilden die beiden Obelisken. Der Obelisk hatte sich vom altägyptischen Sonnen- und Machtsymbol zum christlichen Heils- und päpstlichem Triumphzeichen entwickelt, wurde schließlich auch Symbol für den Ruhm weltlicher Fürsten und schmückte seit dem 16. Jahrhundert viele europäische Profan- und Sakralbauten. Die strenge Betonung des Steins als Baumaterie und das Streben nach klaren Proportionsverhältnissen erinnern an die französische Revolutionsarchitektur. Dazu kam schließlich noch eine klassizistisch-römische Komponente, verwirklicht in den Portika der Wachbauten mit je drei toskanischen Säulen.

 

 

 

 

„Das im antiken Geschmacke von der Stadt Straubing ... erbaute untere Thor“ wurde am 12. Oktober 1810, am Hochzeitstag des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen eingeweiht und „dem Andenken“ an dieses Ereignis gewidmet. Beim Besuch des Paares am 4. und 5. Juni 1812 in Straubing erhielt es den Namen „Ludwigs-Thor“.

(aus dem Stadtführer von Dorit-Maria Krenn/Alfons Huber, Straubing- das Herz Altbayerns, Straubing 2007)