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1968

50 Jahre Denkmal für Ulrich Schmidl in Buenos Aires/Argentinien

Titelblatt von Schmidls Reisebeschreibung in der Ausgabe von Leopold Hulsius, 1602

1533/1534 verließ der junge Ulrich Schmidl, Sohn des reichen und angesehenen Straubinger Patriziers und Bürgermeisters Wolfgang Schmidl, seine Heimatstadt Richtung Südamerika, bewegt vielleicht von Abenteuerlust und jugendlichem Freiheitsdrang, von Forschungseifer oder von familiären Geschäftsinteressen. Er schloss sich der spanischen Expedition unter der Führung von Pedro Mendoza an, die den Auftrag hatte, die Länder am La Plata in den Besitz der spanisch- habsburgischen Krone zu bringen. Schmidl lebte und wütete wie die anderen Landsknechte, die die Gier nach Silber und Gold zu gewagten und ausgedehnten Exkursionen trieb. Was ihn aber vor anderen Conquistadoren seiner Zeit auszeichnete: Er hielt seine Erlebnisse, seine genauen Beobachtungen der Eingeborenen, der Tier- und Pflanzenwelt in Reiseerinnerungen fest, den „wahrhafftigen Historien einer wunderbaren Schiffahrt". Somit wurde Schmidl also - neben Alvar de Vaca - zum ersten Geschichtsschreiber Argentiniens und Paraguas: „Seind also durch Gottes Segen in Riodellaplata ankommen Anno im 1535. Da haben wir einen indianischen Flecken gefunden und darinnen ungefehrlich 2000 Mannsbildt, heißen Zechurias, haben auch anders nichts zu essen denn Fisch und Fleisch ..." Schmidl gilt auch als Mitgründer der beiden Hauptstädte von Argentinien und Paraguay, Buenos Aires und Asunción: „In diesem Ort haben wir eine Stadt gebauet, welche man genennet Buenas Aeres - das ist zu Teutsch Guter Luft".
Enthüllung der Bronzebüste von Ulrich Schmidl in Buenos Aires am 22.10.1968

1553 holte ihn ein Ruf seines kranken Bruders Thomas nach Straubing zurück. Er übernahm die Geschäfte seines Bruders, wurde ein angesehener Ratsherr. 1562 wies der bayerische Landes- und Stadtherr Albrecht IV., der in seinem Herrschaftsgebiet nur die katholische Religion duldete, Schmidl wegen seines protestantischen Bekenntnisses aus Straubing aus. Schmidl siedelte in die protestantische Reichsstadt Regensburg über und starb hier hochbetagt um den Jahreswechsel 1580/1581.

Nachdem die argentinische Regierung bereits 1961 im Straubinger Rathaus eine Gedenktafel „a su primer historiador" gestiftet hatte, fand am 22. Oktober 1968 die feierliche Enthüllung eines Schmidl-Denkmals im Lezama-Park in Buenos Aires statt. Die Bronzebüste, geschaffen von dem argentinischen Bildhauer José Fioravanti, wurde in Beisein des argentinischen Staatspräsidenten Juan Carlos Onganía, des deutschen Außenministers Willy Brandt und des Straubinger Oberbürgermeisters Hermann Stiefvater enthüllt. Sie wurde 1993 gestohlen und 2000 auf Initiative des deutsch-argentinischen Kulturinstituts durch eine Zementguss-Büste ersetzt.

Dr. Dorit-Maria Krenn
Stadtarchiv Straubing

Literaturhinweis:
Werner Friedrich, Ulrich Schmidl, Bürger und des Rats zu Straubing, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 98. Jg. 1996, Straubing 1997, S.93-130
Franz Obermeier, Ulrich Schmidel/Ulrico Schmidl, Reise in die La Plata-Gegend 1534-1554, Straubing 2008 (Straubinger Heft 58)
Franz Obermeier, Ulrich Schmidel/Ulrico Schmidl, Reise in die La Plata-Gegend (1534-1554) / Viaje al Río de la Plata y Paraguay, Kiel 2008

Bild oben: Titelblatt von Schmidls Reisebeschreibung in der Ausgabe von Leopold Hulsius, 1602 (Gäubodenmuseum Straubing)

Bild unten: Enthüllung der Bronzebüste von Ulrich Schmidl in Buenos Aires am 22.10.1968 (Stadtarchiv Straubing Allgemeine Fotosammlung)

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