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1368

650 Jahre Karmeliten in Straubing

Karmelitenkloster Straubing, Kupferstich in Michael Wening

Im Nordosten der Neustadt, unweit des Herzogsschlosses, liegt der große Komplex des Karmelitenklosters mit seiner mächtigen Kirche aus Backstein. Es ist ein herausragendes religiöses, kulturelles, gesellschaftliches „Denkmal" Straubinger Geschichte.
Am 6. April 1367 erteilte Papst Urban V. die Erlaubnis, dass die Mönche des Karmelitenklosters St. Oswald von Regensburg nach Straubing übersiedeln dürfen. Er war damit einer Bitte des Herzogs Albrecht I. von Bayern-Straubing-Holland nachgekommen, der die Seelsorge in seiner jungen Residenzstadt Straubing stärken wollte. Im Herbst 1368 verließen die beschuhten Karmeliten das klosterreiche Regensburg und begannen unverzüglich in Straubing ein „Klösterl" und eine Kirche zu errichten. Die Karmeliten, ein Bettelorden, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts aus einer beim Berge Karmel in Palästina versammelten Einsiedlergruppe hervorgegangen war, gründeten damit das erste Kloster in Straubing. Bereits für das Jahr 1430 ist die Weihe der eindrucksvollen Klosterkirche Hl. Geist, einer gotischen Hallenkirche, bezeugt. Sie war auch gedacht als Hofkirche der Wittelsbacherlinie Straubing-Holland. So birgt sie das rotmarmorne Hochgrab des Herzogssohnes Albrechts II., ist zudem Begräbnisstätte etlicher Adels- und Patriziergeschlechter wie der Nothaffts und der Zeller.
Karmelitenkirche Hl. Geist mit barockem Hochaltar Seit ihrem ersten Gottesdienst auf Straubinger Boden am 1. Oktober 1368 bemühten sich die Brüder „Tag und Nacht" um die Straubinger Bürgerschaft „mit Gottesdienst, Beichthören und Krankenbesuch", wie es in einer Urkunde aus dem 17. Jahrhundert heißt. Zudem waren sie seit 1386 auch für die Seelsorge in der Schlosskapelle verantwortlich. Eine besondere Aufgabe erhielten die Karmeliten 1661 mit der Übertragung des Gnadenbildes „Maria von den Nesseln" von Heilbronn nach Straubing: Es entwickelte sich eine rege Wallfahrt von nah und fern zur „Nesselmadonna". Sie fand ihren Ausdruck in der Barockisierung der Kirche samt Anbau eines Kirchturms. Auch die Klostergebäude wurden in barocker Zeit um- und neugebaut, wovon unter anderem der Bibliotheksraum mit seinen Fresken zeugt.
Die Säkularisation 1802 überstand das Karmelitenkloster dank der Bestimmung zum „Zentral- und Aussterbekloster" für die beschuhten Karmeliten Altbayerns und dank der Beharrlichkeit des Paters und Priors Petrus Heitzer: Es gelang ihm, unterstützt von den Stadtvätern, vom Bischof von Regensburg und zahlreichen Wohltätern, 1841 von König Ludwig I. die Bewilligung zur Wiedereröffnung des Klosters zu erhalten. Das Kloster erblühte neu, gab wichtige Impulse im Ordensleben der Karmeliten: zur Neugründung von Klöstern im In- und Ausland, z.B. 1864 in Nordamerika, zum Rückkauf des Bamberger Klosters 1902, das daraufhin Sitz des Provinzials und Noviziats wurde, zur Erneuerung der Oberdeutschen Provinz. Die Skapulierbruderschaft und der Dritte Orden Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel wurden wieder errichtet und vertieften das Straubinger Glaubensleben; Hunderte von Jungen wurden während ihrer Gymnasialzeit im Studienseminar betreut.
Der Nachwuchsmangel im Karmelitenorden führte 2016 - nach 648 Jahren - zur Schließung des Straubinger Klosters der deutschen Ordensprovinz. Am 26. November 2016 wurde die Seelsorge an der Karmelitenkirche der indischen Karmelitenprovinz St. Thomas in Kerala übertragen. Für die Klostergebäude ist eine Nutzung durch den Freistaat Bayern für das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe bzw. für den Campus Straubing der Technischen Universität München geplant.

Dr. Dorit-Maria Krenn
Stadtarchiv Straubing


Literaturhinweis:
Adalbert Deckert, Karmel in Straubing. 1368 600 Jahre 1968, Rom 1968
Christine Riedl-Valder/Alfons Huber, Straubing, in: Monasticon Carmelitanum. Die Klöster des Karmelitenordens (O. Carm.) in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart, Münster 2012, S. 693-710, 916-940

Bild oben: Karmelitenkloster Straubing, Kupferstich in Michael Wening, Das Rennt-Ambt Straubing, 1726
Bild unten: Karmelitenkirche Hl. Geist mit barockem Hochaltar (Foto Peter Schwarz, Stadtarchiv Straubing)

 

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