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1218

800 Jahre Gründung der Neustadt Straubing

Stadtgründer Wittelsbacherherzog Ludwig I. und seine Ehefrau Ludmilla von Bogen, Stifterfiguren in der Afra-Kapelle des Landshuter Klosters Seligenthal, geschnitzt um 1330

Straubing hat eine lange Geschichte. So lassen sich erste Siedlungsspuren bereits um etwa 6000 v. Christus nachweisen. In römischer Zeit, seit ca. 70 n. Chr., entwickelte sich Straubing zu einem bedeutenden Militärstandort an der ostraetischen Donaugrenze. Der Name der nachfolgenden frühmittelalterlichen Siedlung, um 500, ist auf einen frühen Baiern mit dem Spitznamen „Strupo" (für wirres, strubbeliges Haar) zurückzuführen. 1029 kam das Gebiet, das ursprünglich Herzogs- bzw. Königsgut war, in den Besitz des Augsburger Domkapitels. Strupinga wurde zu einem überregional bedeutsamen Verwaltungs- und Marktort.
1218 gründete der Wittelsbacherherzog Ludwig I. (1174 - 1232) einen Kilometer donauaufwärts von der alten Siedlung, der „Altstadt", entfernt auf hochwassersicherem Gebiet eine „neue Stadt", wie u.a. in einem Chorbuch des Klosters Windberg überliefert ist: „Item anno domini MCCXVIII constructa est nova Strubinga" - Ebenso im Jahr des Herrn 1218 wurde das neue Straubing erbaut. Die Gründung von Städten und Märkten war für das Geschlecht der Wittelsbacher, dem 1180 das Herzogtum Bayern übertragen wurde, ein wichtiges Mittel zur Herrschaftssicherung.

Stadtturm und Rathaus im Stadtmodell von Jakob Sandtner, 1568 Straubing war für den Herzog aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen interessant. Das Umland war äußerst fruchtbar, die Kontrolle über den Kreuzungspunkt der Fernwege Ost-West und Süd-Nord militärisch wichtig und zugleich ergiebig an Zöllen und Maut, die Donau nicht nur ein wichtiger Verkehrs- und Transportweg, sondern auch ein natürlicher Schutz. Politisch konnte der Herzog mit Straubing ein Bollwerk gegen die Machtansprüche des Bischofs von Regensburg und gegen die aufstrebende Reichsstadt Regensburg im Westen aufbauen. Nach Osten bot Straubing nicht nur eine Absicherung gegen die Herrschaft der Grafen von Bogen, sondern sogar einen nahen Zugriffsort auf das zu erwartende Erbe - Ludwig hatte 1204 Ludmilla, die Witwe des Grafen von Bogen geheiratet. Deren Sohn Albert IV., der herrschende Graf, war kinderlos, sein Bruder Berthold verunglückte im Sommer 1218 auf einem Kreuzzug. So war der Anlass für eine Stadtgründung in unmittelbarer Nähe zu Bogen gegeben. Die günstige Lage Straubings war Ludwig so wichtig, dass er hier eine Stadt gründete, obwohl die Rechte des Grundherren, des Augsburger Domkapitels, zu respektieren waren.
Die Stadt Straubing entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Stützpunkt der bayerischen Landesherren, trat als Hauptstadt und im 1353 entstandenen Herzogtum Bayern-Straubing-Holland auch als glanzvolle Residenzstadt hervor, wurde zudem wirtschaftlicher Mittelpunkt der niederbayerischen Donauregion und des Bayerischen Waldes. Politisches und wirtschaftliches „Wohlergehen" tun sich kund im bis heute von der Gotik geprägten Stadtbild: Der mächtige Stadtturm thront als Wahrzeichen in der Mitte der Stadt, die spätgotische Hallenkirche St. Jakob und das Ensemble des Karmelitenklosters bilden geistliche Zentren und kunstgeschichtliche Schatzkammern, das Herzogsschloss an der Donau zeugt von der Präsenz des Wittelsbachergeschlechtes, die imposanten Bürger- und Adelshäuser künden von Reichtum und Kunstgeschmack.
Heute ist die Neustadt das historische Zentrum Straubings, einer lebendigen Stadt mit etwa 48.000 Einwohnern, vielfältigen Studien-, Schul-, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, Behörden, Gewerbe- und Industriebetrieben.

Dr. Dorit-Maria Krenn
Stadtarchiv Straubing

Literaturhinweis:
Alois Schmid, Die Wittelsbachische Gründungsstadt Straubing, in: Alfons Huber/Johannes Prammer (Hg.), 1100 Jahre Straubing 897 - 1197, Vortragsreihe des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung, Straubing 1998, S. 83-117
Dorit-Maria Krenn, Kleine Straubinger Stadtgeschichte, Regensburg 2012

Zum Jubiläum „800 Jahre Neustadt Straubing" veranstaltet die Stadt Straubing von Ende April bis Ende Juni 2018 ein vielfältiges Programm mit Führungen, Konzerten, Vorträgen, Festen und einer Ausstellung im Gäubodenmuseum, Informationen ab März unter http://www.straubing.de/ oder Amt für Stadtmarketing und Touristinfo, Fraunhoferstraße 27, 94315 Straubing, Tel. 09421/944-60199, Mail: tourismus@straubing.de.

Bild oben: Stadtgründer Wittelsbacherherzog Ludwig I. und seine Ehefrau Ludmilla von Bogen, Stifterfiguren in der Afra-Kapelle des Landshuter Klosters Seligenthal, geschnitzt um 1330 (Foto Peter Schwarz, Stadtarchiv Straubing)

Bild unten: Stadtturm und Rathaus im Stadtmodell von Jakob Sandtner, 1568 (Kopie von 1883 im Gäubodenmuseum Straubing) 

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Auch im Jahr 2018 jähren sich wieder bedeutende Ereignisse der Stadtgeschichte und Geburtstage berühmter Stadtkinder.

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