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1517

500. Todestag Conrad Waider, "maller von Straubing"

Tafelbild „Hochzeit von Maria und Josef" (Detail), Conrad Waider zugeschrieben, am Pacher-Altar in der Kirche Zu Unserer Lieben Frau von Gries/Bozen (Foto Toni Kinast) Tafelbild „Hochzeit von Maria und Josef" (Detail) in der Kirche Zu Unserer Lieben Frau von Gries/Bozen

In der Faschingswoche des Jahres 1517, also in den Tagen des 22. bis 28. Februars, starb im Heilig-Geist-Spital in Bozen ein Mann aus Straubing - das im Bozener Landesarchiv aufbewahrte Rechnungsbuch des Spitalmeisters vermeldet: „Item Cunrad Wider maller von Straubing starb in obgemelter wochn hat gelassen schwarz jopen und hossen 1 grünes paret 1 degen." In einer zweiten Quelle, den Bürgermeisterrechnungen von Bozen aus dem Jahr 1491, ist vermerkt, dass ein „maister Conradt Waider" für die Ausführung von Malereien am Rathaus bezahlt worden ist. Erst durch die Entdeckung dieser Quellen konnte man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Reihe künstlerisch hochwertiger Fresken und Tafelbilder in und an Südtiroler und Trentiner Kirchen einem bestimmten Künstler, eben Conrad Waider, zuordnen. Er wurde somit zu einer der "namhaftesten Fresken- und Tafelbildmaler, welche die Südtiroler Kunstszene der Spätgotik beherrschen" (Mathias Frei).

Besonders ragen die fünfzehn Tafelbilder auf der Rückseite des berühmten Flügelaltars von Michael Pacher in der alten Pfarrkirche von Gries-Bozen heraus, die neben einigen Heiligenfiguren Szenen aus dem Leben Mariens und der Passion Christi darstellen. Weitere Werke in Bozen, in dem sich Waider offenbar ab etwa 1485 niedergelassen hatte, finden sich unter anderem im Kloster der Franziskaner - Fresken mit den Heiligen- und Seligenfiguren aus dem Franziskanerorden sowie Tafelmalereien auf der Rückseite des Altarschreins von Hans Klockner. Im Auftrag der Bruderschaft der Schneider fertigte er zum Beispiel 1492 Szenen der Sebastiani-Legende in der Kirche St. Zyprian in Sarnthein an. Hier gestaltete er auch die Fassade am früheren Gerichtsgebäude, u.a. mit der „Schönen von Sarnthein", einem Mädchen, das kokett aus einem halbgeöffneten Fenster schaut und laut Volksmund als Tochter des Amtsrichters mit dem Maler eine Liebschaft gehabt haben soll. Weitere Freskomalereien werden Waider in der Kirche St. Moritz/Ultental, in der Pfarrkirche von Burgeis, in der Kirche Maria in der Vill bei Neumarkt, in der St. Michaels-Kapelle in Tisens, in der Kirche von Castelnuovo in der Valsugana und in San Mauro im Val di Piné zugeschrieben. Auch die Darstellung der „Kreuzschleppung" an der Kirche St. Nikolaus in Meran soll von Waider stammen.

Fresko (Detail) in der Pfarrkirche Mariä Empfängnis von Burgeis/Vinschgau Fresko (Detail), Conrad Waider zugeschrieben, in der Pfarrkirche Mariä Empfängnis von Burgeis/Vinschgau (Foto Toni Kinast)

In Straubinger Quellen taucht ein Conrad Waider/Wider nicht auf, Werke von ihm sind nicht bekannt. Aber vielleicht ist er identisch mit einem „Maister Conrad Maler", der um 1460 und 1480 als Mitglied der Straubinger Sebastiani-Schützenbruderschaft eingetragen ist - der später hinzugefügte Vermerk „ab" könnte auf einen Wegzug deuten. Im Stadtsteuerbuch von 1462 ist ein „Conrad Pildmacher" verzeichnet, der für ein Haus bei der Karmelitenkirche Steuer bezahlen muss - und vielleicht schuf er ja auch die auf 1480 datierten Freskenfragmente im Karmelitenkloster.

Dr. Dorit-Maria Krenn,
Stadtarchiv Straubing

Literaturhinweis:
Heinrich Spanner, Conrad Waider - ein spätgotischer „maller von Straubing", in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 84. Jg. (1982), Straubing 1983, S. 91 - 128; Heinrich Spanner/Toni Kinast, Conrad Waider. Maler der Spätgotik. Bayern-Südtirol-Trentino, Bozen 1990

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