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Wallfahrtskirche Frauenbrünnl

Früher lag die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Frauenbrünnl bei Straubing direkt an der Straße nach Regensburg. Heute wird sie, abseits vom hektischen Verkehr auf den neuen Straßen, von den Vorbeifahrenden kaum noch wahrgenommen.

Nach der Legende zur Sossauer Marienwallfahrt soll das Lauretanische Haus bei seiner Übertragung von Antenring nach Sossau in Frauenbrünnl von den Engeln zur Rast kurz abgesetzt worden sein, bevor es über die Donau geschifft wurde. Darauf sei die an dieser Stelle vorhandene Heilquelle entsprungen. Möglicherweise wurde hier ein Quellenkult christianisiert. Die Marienverehrung an diesem Ort dürfte schon lange bestehen. Darauf deutete auch eine Steinfigur der Muttergottes aus der Zeit um 1420 hin, die in einer Nische direkt an der Quelle aufgestellt war, seit einem Diebstahl vor einigen Jahren aber leider verschollen ist. Die heutige Kirche, seit 1928 Nebenkirche der Stadtpfarrei St. Jakob, entstand ab 1705 an Stelle einer älteren Fachwerkkapelle von 1630. Der Straubinger Landrichter Johann Joseph Franz Graf von Ahamb wollte die Kapelle anfangs erweitern, entschloss sich dann aber zu einem Neubau. Die Kapelle gehörte damals zur Pfarrei Alburg. Durch die Ablösung des Grafen von Ahamb im Jahre 1703 kam es zu einer Verzögerung des Baubeginns bis zum Juli 1705. In diesem Jahr erhielt der Straubinger Kürschnersohn Johann Georg Millner von Kaiser Joseph I. die Erlaubnis, ein Eremitorium an die Kirche anzufügen und zu bewohnen. Zusammen mit dem Pfarrvikar Joseph Anton Griesmüller, später Propst des Augustinerchorherrenstifts St. Nikola in Passau, sammelte er für den Kirchenbau. Der kgl.-bayer. Kämmerer Johann Georg Joseph Graf von Königsfeld scheint der Hauptgeldgeber gewesen zu sein.

Der in Schönach residierende Graf von Königsfeld hatte zum Bau des dortigen Schlosses 1702 bis 1705 den Architekten Giovanni Antonio Viscardi und den Freskanten Georg Asam herangezogen. Aus diesem Grunde wurde als entwerfender Architekt wiederholt Viscardi genannt, was aber archivarisch nicht belegt ist.

Den Grundriss des Zentralbaus mit drei Konchen nahm man auch zum Anlaß, den Entwurf der in Nordbayern tätigen Architektenfamilie der Dientzenhofer zuzuordnen, von der Wolfgang Dientzenhofer 1700 für die Karmelitenkirche in Straubing Pläne lieferte.

Neuerdings hat Homolka diese Zuordnungen mit stichhaltigen Argumenten abgelehnt. Sie sieht den ausführenden Hofmaurermeister Johann Sohrer aus Straubing zusammen mit dem Freskanten Georg Asam als Planer. Die Zimmererarbeiten erledigte der Stadtzimmermeister Hans Kökh. 1706 waren die Maurerarbeiten und 1707 der Ausbau mit der Ausmalung beendet. Geweiht wurde die Kirche am 20. Oktober 1707 durch Weihbischof Wartenberg. Die Kirche ist ein
nach Süden orientierter Zentralbau mit Dreikonchenanlage und einer rechteckigen Vorhalle nach Norden, zur Quelle hin. Zwei kleine Türme an der Südseite flankieren die große Kuppel und erinnern etwas an die Anlage von Kloster Ettal. Das Äußere ist durch farblich abgesetzte Lisenen belebt, die Fassade außerdem durch rundbogige Blendnischen und ein Blendportal. Die Türme sind über einem quadratischen Untergeschloss mit Blendnischen und Lisenen mit einem achtseitigen Obergeschloss und einer gedrückten Kuppel abgeschlossen. Am östlichen Turm ist ein zweigeschossiges Haus, ehemals die Mesnerwohnung angebaut. Die ebenfalls gedrückte Hauptkuppel ragt über einem achtseitigen Tamour mit Rundfenster auf. Der Eingang der Kirche liegt an der Ostseite der leicht abgesetzten Vorhalle, deren Giebeldach an den Tambour und das Dach der darunterliegenden Ringkuppel stößt.

Innen setzt sich die Quertonnenwölbung der Vorhalle an die zweischichtige Kuppel des Zentralraumes an. Die Gewölbe ruhen auf einem umlaufenden Gesims und Gebölkstücken, die von Pilastern mit ionischen Kapitellen getragen werden.

In halber Wandhöhe ist eine Galerie mit Kantbalustern um den Raum gezogen, die Altarkonche ist ausgespart. Vor der Orgel trägt die Brüstung die Jahreszahl 1707. Der Raum schließt, von niederen Rundbogenfenstern erhellt, mit einer scheiteldurchbrochenen Kuppel. Über der oktogonalen, von einier Brüstung gerahmten Öffnung ist der Blick auf die Flachdecke des Tambours frei. Dieser ist ebenfalls achtseitig und von Fenstern mit eingezogenen Rundbogen beleuchtet.

Das Motiv der scheiteldurchbrochenen Öffnung, die den Blick auf eine weitere Decke zuläßt, kommt aus Italien und wurde durch die Gebrüder Asam in Weltenburg monumental gesteigert. Kostbarer Schmuck der Kirche und von nationalem kunsthistorischen Interesse sind die Fresken der Kuppel und der Tambourdecke. Sie wurden ursprünglich allein dem Vater der Gebrüder Asam, Georg Asam, zugeschrieben. Thema der Fresken ist die Verehrung der Muttergottes durch Heilige und Engel. In Frauenbrünnl ist diese Thematik, die Jahre später in Weltenburg von Cosmas Damien Asam in einem monumentalen Deckengemälde dargestellt wurde, in zwei Bereiche getrennt. In der unteren Ringkuppel, noch mehr der Erde verhaftet, ist Maria als "Regina canctorum omnium" von den Gestalten der Heiligen, Vertretern des Alten und Neuen Testaments, umgeben. Auf der oberen Flachdecke, durch meisterliche Kunste ine Kuppel illusionierend, erscheint, in himmliche Spähren erhoben, Maria als "Regina angelorum" mitt Gottvater und dem Heiligen Geist inmitten einer Engelsgloriole. Asam benützte für die Heiligengestalten in seinem Werk als Vorlage eine Stichserie von Nicolo Dorigny, die dieser nach den Kuppelfresken des Ciro Ferri in St. Agnese in Rom gestochen hatte.

Andere Figuren sind wohl einem Nachstich von Pietro da Cortonas Kuppelfresko in der Chiesa Nuova in Rom entnommen.

Der Zahn der Zeit ging an der Wallfahrtskirche nicht spurlos vorüber. Vor allem die Feuchtigkeit setzte der Architektur und den Fresken sehr zu. Schuld daran waren neben Unzulänglichkeiten wie den teilweise mangelhaften Fundamenten auch einige Renovierungen, die wenig fachgerecht durchgeführt worden waren. So war, wollte man den Verfall aufhalten, eine grundlegende Renovierung unumgänglich. Die finanzielle Belastung schien enorm. Dennoch entschloß sich die Pfarrgemeinde St. Jakob mit Stadtpfarrer Georg Dobmeier zu diesem Waagnis. Ab Mai 1985 konnten die Arbeiten beginne. Bald kam es zu einer Sensation: Im Tambourbereich liegende Architekturmalereien waren bei einer früheren Renovierung übertüncht worden und wurden jetzt gereinigt und freigelegt.
Dabei kamen Fresken von erstaunlicher Frische und Qualität zu Tage. Nun wurde deutlich, dass hier zwei Meister tätig waren, und schon bald setzt sich die auch durch Urkunden über seine Anwesenheit in Straubing 1707 abgesicherte Erkenntnis durch, daß der 21jährige Cosmas Damian Asam zusammen mit seinem Vater Georg die Fresken in Frauenbrünnl geschaffen hat. Auch im Asamjahr 1986 war es schwierig, die durch die Fresken enorm gestiegenen Renovierungskosten zu bewältigen. Mit Hilfe von Zuschüssen der Bischöflichen Finanzkammer, der Stadt Straubing, des Bezirks Niederbayern, des Landesamtes für Denkmalpflege, des Historischen Vereins sowie zahlreichen Spenden konnten die Gesamtkosten in Höhe von 1,1 Millionen Mark aufgebracht werden. Nach vierjähriger Renovierungszeit konnten die Arbeiten im April 1989 abgeschlossen werden.

Von der Ausstattung der Wallfahrtskirche ist an erster Stelle der Altar zu nennen. Der baldachinähnliche Aufbau mit vorgesetzten Seitenteilen nimmt in seinem Zentrum an Stelle eines Altarblattes das Gnadenbild der Muttergottes auf und ist so in das ikonologische Programm der Kirche einbezogen. Das Gnadenbild ist eine barocke Holzfigur, die vermutlich aus dem Vorgängerbau stammt. Seitlich begleitet wird das Gnadenbild von den Figuren der Eltern Joachim und Anna. Über dem Gebälk, das von Gewundenen Säulen, Pfeilern und Engelhermen getragen wird, thront die hl. Dreifaltigkeit in einer Strahlenglorie. Die Zuweisung des Altars an einen Künstler ist fraglich. Genannt werden die Straubinger Bildhauer Johann Georg Fux, Franz Mozart und der Bogener Johann Gottfried Frisch. Diese Künstler kommen auch als Schöpfer der übrigen Ausstattung in Betracht. Am 15. April 1989 fand nach Abschluß der Renovierung zur Eröffnung ein feierlicher Pontifikalgottesdienst mit dem Regensburger Weihbischof Wilhelm Schraml statt. Es folgte eine Woche mit täglichem Gottesdienst. Jetzt findet in der Wallfahrtskirche Frauenbrünnl wöchentlich ein Gottesdienst statt. Wunsch der Diözese ist es auch, die Wallfahrt wiederzubeleben.

Text: Josef Gerl

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