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„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“

 Herr Stahl, die Corona-Maßnahmen habe die Schulen in Deutschland von heute auf morgen in das digitale Zeitalter katapultiert. Wie haben Sie die letzten acht Monate erlebt?

Die letzten acht Monate waren durchaus herausfordernd und ereignisreich zugleich. Eine flächendeckende Schulschließung in dieser Form war und ist bis zu diesem Zeitpunkt wohl einzigartig in der Nachkriegsgeschichte. So ist es wenig verwunderlich, dass diese Situation Schulen, Schülerschaft, Lehrkräfte und natürlich auch Eltern vor völlig neue Herausforderungen stellte. Die Schulen waren gezwungen sich quasi über Nacht auf komplett neue Begebenheiten einzustellen, zumal ein so weitreichendes digitales Konzept, eine flächendeckende Ausstattung mit digitalen Endgeräten bei den Schülerinnen und Schülern sowie entsprechende Plattformen zum Fernunterricht an vielen Schulen fehlten oder überlastet waren. Dennoch muss man an dieser Stelle auch festhalten, dass die Regierungen, die Sachaufwandsträger und die Schulen ihre Hausaufgaben in den letzten acht Monaten durchaus gemacht haben. Digitale Leihgeräte wurden in großem Stil angeschafft, Lehrkräfte wurden fortgebildet und die Schulen haben sich digital enorm weiterentwickelt. Unter dem Strich kann man aber hinsichtlich der Digitalisierung der Schulen ein positives Resümee ziehen und festhalten, dass die Pandemie hier vieles in die richtige Richtung vorangetrieben hat.

 

Wie haben sich die Pandemie und ihre Folgen auf die Berufsorientierung an den Schulen ausgewirkt?

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Pandemie und im Speziellen die Phase des Lockdowns schulische Berufsorientierung faktisch unmöglich machte. In der Phase des Wechsels von Präsenz- und Distanzunterricht konnten dann wieder erste Begegnungen angebahnt werden, zum Teil Praktika abgehalten und Sonderaktionen zur Berufsorientierung durchgeführt werden. Auch die Jugendberufsagenturen haben ihr Bestes gegeben, um die Schülerinnen und Schüler zu fördern und in eine Ausbildungsstelle zu vermitteln. Auch wenn die Berufsorientierungsmaßnahmen per se von den Rahmenhygieneplänen her zugelassen und gefördert wurden, war die praktische Umsetzung bei den Betrieben nicht immer leicht. Aber auch hier hat mittlerweile die Digitalisierung Einzug erhalten. So veranstaltet der Verein Schule-Wirtschaft e.V. in Zusammenarbeit mit der Siemens Professional Education am 13. November einen virtuellen Berufsinformationstag Bayern und weitere virtuelle Veranstaltungen werden hier folgen.

 

Wie kann es gelingen, dass Ausbildungsbetriebe und Schüler*innen trotz der anhaltenden Pandemie zusammenfinden?

Hier ist zu beachten, dass die Ausgangslage bei den Betrieben ganz unterschiedlich ist. Während beispielsweise Handwerksbetriebe während der Pandemie nahezu keine Einbußen verzeichneten, hat es dagegen andere Branchen, wie den Modeeinzelhandel und die Gastronomie, ungleich härter getroffen. Insofern orientieren sich Berufsorientierungsmaßnahmen zwangsläufig auch am Angebot und der derzeitigen Nachfrage am Arbeitsmarkt. Eine sehr gute und bewährte Maßnahme ist es jedoch, mit vielen Betrieben zu kooperieren, sei es in einer projektorientierten Partnerschaft, Betriebserkundungen oder Praktika. Eine hervorragende bewährte Institution ist die Berufsausbildungsmesse. Hier können Schülerinnen und Schüler nahezu die gesamte Bandbreite der Ausbildungsbetriebe in und um Straubing kennenlernen, erste Kontakte knüpfen und gegebenenfalls Praktika erhalten. So lässt sich ein guter Grundstein für eine erfolgreiche Ausbildung legen.

 

Das Betriebspraktikum ist ein wichtiger Teil der Berufsorientierung. Wie können die Betriebe hier bei den Jugendlichen punkten?

Wichtig sind in den Ausbildungsbetrieben die Ausbilder. Diejenigen, die die Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendlichen kennen, verstehen und auch meistern, die die Neugier und die Lust auf und an der Arbeit bei den Teenagern wecken können.
Man muss aber auch klar hervorheben, dass es nicht alleine an den Betrieben liegt. Viele Betriebe leisten großartige Arbeit bei der Ausbildung Jugendlicher und stellen sich ganz zentriert auf die Anforderungen der Jugendlichen ein. Zudem waren und sind die Voraussetzungen eine erfolgreiche Lehre oder Ausbildung zu absolvieren nie besser gewesen, sei es arbeitsschutzrechtlich oder finanziell. Die Betriebe sind aufgrund des Fachkräftemangels letztendlich ohnehin darauf angewiesen, alle nur möglichen Anstrengungen zu unternehmen neue Fachkräfte zu akquirieren und auszubilden. Vielmehr sehe ich hier die Jugendlichen in der Pflicht, die vielseitigen Angebote wahrzunehmen und konsequent zu verfolgen. Das Ziel einer abgeschlossenen Ausbildung muss für alle Beteiligten oberste Priorität haben. Genau dieser Prozess wird in den Schulen angebahnt. Genau auf diese Ausbildungsreife zielt ein großer Teil der Berufsorientierung in den Schulen ab. Ich denke die Betriebe müssen nicht noch mehr bei Jugendlichen punkten und sich gegenseitig überbieten. Vielmehr müssen Schülerinnen und Schüler lernen, gute Angebote, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und konsequent zu verfolgen.

 

Viele Betriebe beklagen, dass sie keine Auszubildenden mehr finden. Haben sich die Berufswünsche der jungen Menschen in den letzten Jahren verändert?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Die Berufswünsche haben sich höchstwahrscheinlich nicht grundlegend verändert. Was sich geändert hat, ist ein generationenübergreifender Konflikt im Verständnis von Arbeit. Die jetzige Generation, die sog. Generation Z, steht dabei in grundlegendem Widerspruch zur Generation der Babyboomer. Während die eine Generation gekennzeichnet war von zentralen Begriffen wie des Verzichts, der Arbeit in der Masse und des Konkurrenzkampfes, steht für die jetzige Generation der Begriff des Überflusses im Mittelpunkt. Die Work-Life ist für die Generation Z dabei von zentraler Bedeutung. Diese beiden grundlegend verschiedenen Einstellungen zur Arbeit sind nur schwer miteinander vereinbar. Das erklärt unter anderem warum immer noch zu viele Jugendliche die große Chance einer Berufsausbildung achtlos aufgeben, sich Schwierigkeiten nicht stellen, eine zu hohe Anspruchshaltung an Betriebe haben oder sich schlicht aufgrund des Überangebots nicht entscheiden können und wollen. Zudem erscheint es aus den Beobachtungen an der Schule vor Ort so, dass handwerkliche und natürlich auch körperliche Arbeit nicht mehr besonders hoch im Kurs zu stehen scheinen. Man wählt lieber den vermeintlich leichten Weg, was aber auch wiederum ganz typisch für die Generation Z ist.

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